Zinswende in den USA eingeleitet: Konsequenzen für den deutschen Kreditmarkt

Die US-Notenbank Federal Reserve hat tatsächlich geliefert: Der Leitzins für die USA wurde um 0,25 angehoben – zum ersten Mal seit rund zehn  Jahren. Die Auswirkungen auf den deutschen Kreditmarkt dürften sich zunächst aber in Grenzen halten – oder sogar ganz ausfallen.

Die US-Notenbank begründet die Anhebung der Zinsspanne von 0,00 bis 0,25 % auf 0,25 % bis 0,50 % mit der günstigen Entwicklung der US-Wirtschaft – Inflation und Arbeitsmarkt inklusive.

Doch nicht nur den realwirtschaftlichen Daten, sondern auch dem Wunsch der „Fed“ nach Erhaltung ihrer Glaubwürdigkeit wurde mit dem Schritt Rechnung getragen: Nachdem die „Zinswende“ seit geraumer Zeit für 2015 angekündigt worden war, musste in diesem Jahr ein Zinsschritt erfolgen.

Welche Risiken werden durch die Zinserhöhung befürchtet?

Die geringfügige Zinserhöhung allein dürfte realwirtschaftlich kaum Auswirkungen nach sich ziehen – zumal geldpolitische Impulse ohnehin erst mit einer Verzögerung von 1-2 Jahren durchschlagen. Das größere Risiko geht nach Ansicht von Ökonomen aus den Erwartungen der Marktteilnehmer im Hinblick auf weitere Zinserhöhungen aus.

Eine solche Erwartungshaltung würde zu einer Aufwertung des US-Dollar führen, der als Anlageraum im globalen Niedrigzinsumfeld an Bedeutung gewänne. Das könnte spiegelbildlich zu einem Mittelabfluss aus ohnehin von Krisen bedrohten Schwellenländern wie z. B. in Südamerika führen.

US-Notenbankchefin Janet Yellen ließ bei der Bekanntgabe der Zahlen durchblicken, dass die Fed für das Ende des nächsten Jahres einen Leitzins von 1,4 % für wahrscheinlich – d.h. unter Fortschreibung der gegenwärtigen realwirtschaftlichen Entwicklung angemessen – hält. Die Zinsdifferenz zu Europa wäre dann bereits signifikant – jedenfalls, wenn die unterschiedlichen Inflationsraten dies- und jenseits des Atlantiks nicht berücksichtigt werden.

Gerät der Euro unter Druck? Und wenn ja: Wer hat etwas dagegen?

Sollte es zu einer im Umfang signifikanten Zinswende kommen bzw. sollte sich bei den Marktteilnehmern ein solches Szenario als wahrscheinlichste Erwartungshaltung einstellen, könnte der Euro am Devisenmarkt unter Druck geraten. Die aktuelle Bewertung mit 1,08 USD pro 1,00 EUR ist aus deutscher Sicht bereits schmerzhaft tief - eine schwache Währung macht Auslandsurlaube genauso teurer wie Rohstoffimporte.

Aus der Sicht anderer Mitgliedstaaten der Euro-Währungsunion ist eine weitere Abwertung des Euro dagegen wünschenswert, weil dies die Exporte begünstigt. Frankreich, Italien, Spanien und Portugal dürften gegen eine Abwertung wenig einzuwenden haben – und können zusammen mit anderen Staaten Deutschland bzw. Kerneuropa im EZB-Direktorium wie gehabt überstimmen.

Die EZB könnte erst nach einer sehr deutlichen, weiteren Abwertung unter hinreichend großen Druck geraten, auf die US-Geldpolitik zu reagieren. Das ist umso wahrscheinlicher, seit die Ölpreise wieder deutlich sinken: Goldman Sachs hält mittlerweile Preise von 20 $ pro Barrel (159 Liter) für realistisch. Niedrige Öl- bzw. Rohstoffpreise dämpfen den mit einer Abwertung einhergehenden Effekt der „importierten Inflation“.

Bei Konsumentenkrediten besteht kein Grund zur Eile

Sobald an den Märkten die Erwartung im Hinblick auf eine Reaktion der EZB wächst, könnte sich dies an den Renditen des Anleihemarktes niederschlagen. Bis es zu einer weiteren Abwertung des Euro kommt, wird Mario Draghi an seiner Geldpolitik festhalten: Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich noch immer nur langsam und ist diversen, u.a. geopolitischen Risiken ausgesetzt.

Darüber hinaus ist die gegenwärtige Geldpolitik auch als Entschuldungsprogramm für die Krisenländer ausgelegt, dessen Ende nicht nur für Griechenland zu früh käme. Nur ein deutlicher Anstieg der Anleiherenditen und eine Anhebung des Leitzinssatzes aber könnten zu einem spürbaren Anstieg der Kreditzinsen führen. Dieser würde zuerst den Immobilienkreditmarkt und erst mit einiger Verzögerung den Markt für Konsumentenkredite treffen.

Für Kreditnehmer besteht deshalb kein Grund zur Eile – bis zur Zinswende in der Realität ist es noch lange hin.

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