Kreditvergleich

So vergleichen Sie Kredite richtig

Mit einem Kreditvergleich lässt sich schnell ein geeignetes Darlehen finden – wenn der Vergleich sinnvoll angestellt wird. Auf dem Weg zum günstigsten Ratenkredit lauern Informations- und Bewertungsfallen wie vermeintlich faire Einheitszinssätze, Schaufensterkonditionen und Vergleichsrechner mit Schlagseite.

An dieser Stelle soll dargelegt werden, wie der Vergleich verschiedener Angebote tatsächlich zum gewünschten Ergebnis führt.

Sie werden auf dieser Seite u.a. erfahren:

  • Dass die Kreditzinsen in den vergangenen Jahren im breiten Gesamtmarkt deutlich weniger stark gefallen sind als es oft behauptet wird

  • Woran Sie Vergleichsrechner mit „Schlagseite“ erkennen

  • Was wirklich hinter vermeintlich fairen Einheitszinssätzen steckt

  • Wie ein Kreditvergleich sinnvoll und zielführend durchgeführt wird

Warum lohnt sich ein Kreditvergleich?

Die Zinsen sind weniger stark gesunken als oft behauptet wird

Die Zinssätze für Ratenkredite sind in den vergangenen Jahren sukzessive gefallen – allerdings weitaus weniger stark, als es die mediale Berichterstattung über die „historische Niedrigzinsphase“ vermuten lässt.

Gemäß der monatlich durch die Deutsche Bundesbank veröffentlichten MFI Zinsstatistik belief sich der durchschnittliche Zinssatz neu ausgereichter Konsumentenkredite mit mindestens fünf Jahren Anfangslaufzeit im Januar 2015 auf 7,36%. Für die Jahre zuvor gibt die Bundesbank – jeweils bezogen auf das Neugeschäft im Januar – diese Zinssätze an:

mfi-zinschart

Gemessen an dieser schon qua Erhebungsmethode sehr repräsentativen Kreditstatistik ist das Zinsniveau von 2011 bis 2015 um kaum mehr als einen ganzen Prozentpunkt gefallen.

Außerdem liegt der durchschnittliche Zinssatz um Größenordnungen höher als es die im medialen und öffentlichen Raum wahrnehmbaren Werbeversprechen darlegen möchten. Es ist deshalb schlicht unwahr, dass Vergleichsbemühungen im Vorfeld einer Kreditaufnahme aufgrund des günstigen Marktumfeldes an Bedeutung verloren hätten.

Die Spanne der Zinssätze am Markt ist groß wie lange nicht

Bei den Angaben der Bundesbank handelt es sich um Durchschnittszinssätze, von denen aus nach oben und unten deutliche Abweichungen möglich sind.

Die FMH Finanzberatung ermittelte Ende Oktober 2015 aus den Angaben von 35 Banken für Kreditlaufzeiten von 60 Monaten eine Spanne im Bereich von 2,93 % bis 9,99 %.

In dieser Erhebung wurden Kredite mit besonders hohen und niedrigen Zinssätzen gar nicht berücksichtigt. Unter Einbeziehung von Angeboten mit Quersubventionierung aus dem Marketingbudget und solchen für Kreditnehmer mit unterdurchschnittlicher Bonität reicht die Spanne von ca. 1-18 %.

Welche Kriterien für den Kreditvergleich gibt es?

Annahmekriterien

Unabhängig vom betrachteten Produkt macht es wenig Sinn, die Konditionen von Anbietern zu vergleichen, die gar nicht zum Abschluss eines Vertrages bereit sind. Zur persönlichen Situation kompatible Annahmekriterien sind notwendige Bedingung für einen sinnvollen Kreditvergleich.

Für alleinstehende Festangestellte ohne Unterhaltsverpflichtungen mit einem Monatsnettoeinkommen von 3.000 € mit einwandfreier Zahlungshistorie und ohne bestehende Kreditverpflichtungen stellen die Annahmekriterien selten eine große Hürde dar.

Für Selbständige und Freiberufler, Angestellte mit befristetem Arbeitsvertrag und/oder einem Nettoeinkommen unterhalb von 1.500 €, Interessenten ab ca. 60 Jahren, Verbraucher mit (lange erledigten) SCHUFA-Einträgen und Antragstellern mit bestehenden Krediten und/oder Unterhaltsverpflichtungen gestaltet sich die Situation häufig schwieriger.

Effektivzins

Der Effektivzins ist unverändert das wichtigste Vergleichskriterium für Kredite, weil darin gemäß PAngV alle Kosten eines Darlehens enthalten sein müssen.

Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil Bearbeitungsgebühren bei Ratenkrediten für unzulässig erklärt hatte, strichen viele Banken die Entgelte und ersetzten sie in ihren Preisverzeichnissen durch höhere Sollzinssätze – der Effektivzins blieb dabei in aller Regel konstant.

Banken können die Zinssätze ihrer Kredite von der Laufzeit und zusätzlich von der Bonität des Antragstellers abhängig machen. Ist letzteres der Fall, muss laut Gesetz ein „repräsentativer Zinssatz“ angegeben werden, den zwei Drittel aller Kreditnehmer auch tatsächlich erhalten können.

Neben den Finanzierungskosten sind auch sämtliche Vermittlungs- und Verwaltungsgebühren bereits im ausgewiesenen Effektivzins enthalten bzw. werden in der Kalkulation der Bank durch diesen abgedeckt.

Konditionen für Sonderzahlungen

Wer bereits bei der Kreditaufnahme die Konditionen für Sonderzahlungen berücksichtigt, ist später im Vorteil. Banken dürfen gemäß § 502 BGB bei vollständiger und teilweise vorzeitiger Rückzahlung eine Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe von maximal 1,0% des abgelösten Saldos verlangen.

Viele Kreditinstitute setzen zusätzlich pauschale Verwaltungsentgelte in Höhe von zumeist ca. 50 € fest. Diese Praxis wurde bislang von den ansonsten klagefreudigen Verbraucherschutzorganisationen nicht kritisiert.

Für die Details lohnt sich ein Blick ins Preisverzeichnis, der später einige hundert Euro wert sein kann. Einige Banken lassen kostenlose Sonderzahlungen zu, verlangen aber eine  Vorfälligkeitsentschädigung für vollständige Rückzahlungen.

Häufig wird darüber hinaus festgelegt, dass Sonderzahlungen bis zur Höhe von X Monatsraten als Vorauszahlung auf die regulären Raten behandelt werden – mitunter führt dies nicht einmal zu der erhofften Zinsersparnis.

Flexibilität und Zusatzleistungen

Einige Banken werben mit zusätzlicher Flexibilität, die, sofern sie in einem vertraglichen Anspruch besteht, durchaus einen Mehrwert bieten kann. So können Kreditnehmer z. B. zwei Raten pro Jahr aussetzen und diese ohne zusätzliche Kosten an die ursprüngliche Laufzeit anhängen.

Achtung: Sind derlei Optionen in einen pauschalen Zinssatz eingepreist, werden sie auch von Kreditnehmern bezahlt, die keine Ratenaussetzungen benötigen.

Was bestimmt die Höhe des Zinssatzes?

Einkommen und Berufsstatus

Der Zinssatz von Krediten richtet sich – neben der vereinbarten Darlehenslaufzeit – nach dem persönlichen Nettoeinkommen des Kreditnehmers. Diese wird in Details durch jede Bank etwas anders berechnet.

Als Faustformel für Angestellte und Beamte gilt: Nettoeinkommen laut Gehaltsabrechnung abzüglich Unterhaltszahlungen und Kreditverpflichtungen. In aller Regel sind hier für die Annahme eines Kreditantrages mindestens 1.100 € erforderlich.

Die meisten Banken erfragen im Kreditantrag detaillierte Angaben zu Einnahmen und Ausgaben inklusive Miete bzw. Hypothek, Kosten für Fahrzeuge, private Altersvorsorge etc. Häufig entscheiden diese Angaben lediglich über die Annahme des Kreditantrags, bei einigen Banken jedoch auch (mit) über den Zinssatz. Je höher das persönliche Einkommen, desto niedriger ist in dieser Kalkulation das Ausfallrisiko und desto günstiger der Darlehenszinssatz.

Dasselbe gilt für den Berufsstatus: Die meisten Banken vergeben Kredite nur unter bestimmten Voraussetzungen bzgl. des Arbeitsverhältnisses, einige legen darüber hinaus Risikozuschläge fest. Festangestellte erhalten Darlehen dann zu günstigeren Konditionen als Zeitarbeiter etc.

Für Selbständige gilt in jeder Hinsicht eine andere Kalkulation. Erstens fallen die Anforderungen an das persönliche Nettoeinkommen von Selbständige höher aus – unter 2.000-3.000 € pro Monat vergeben Banken hier gar keine Kredite. Das Nettoeinkommen ergibt sich aus dem Betriebsergebnis, den Steuerzahlungen und den Aufwendungen für Krankenversicherung und Altersvorsorge.

SCHUFA-Scorewerte

Die SCHUFA wird nicht nur über nahezu jede Kreditvergabe in Deutschland informiert, sondern spielt auch für die Höhe des Zinssatzes bei sehr vielen Verträgen eine Rolle.

Ähnlich wie beim Einkommen können Banken die SCHUFA-Auskunft nicht nur als notwendige Bedingung für die Kreditvergabe definieren, sondern die Informationen zu einem Verbraucher zusätzlich zur Bemessung des Zinssatzes nutzen.

Die SCHUFA berechnet zu jedem Verbraucher im Datenbestand Scorewerte, die – beruhend auf im Detail nicht näher erläuterten „mathematisch-statistischen Verfahren“ – das Ausfallrisiko angeben sollen. Der vielen Vertragspartnern zur Verfügung gestellte Branchenscore „Banken 2.0“ sieht – wie in der Abbildung erläutert – eine Skala mit einem Maximalwert von 9.999 Punkten vor, wobei ein höherer Wert mit einem geringeren Ausfallrisiko einhergeht.

[caption id=”attachment_11” align=”aligncenter” width=”632”]Bildschirmfoto der SCHUFA Risikoklassen des Branchenscores „Banken 2.0“ Abbildung: Die SCHUFA Risikoklassen des Branchenscores Banken 2.0[/caption]

Die Scorewerte werden durch die SCHUFA laufend aktualisiert und Banken auf Anfrage elektronisch übermittelt. Ein zu geringer Scorewert führt – auch ohne explizite Negativmerkmale – fast immer zu einer Ablehnung des Kreditantrages, die in den meisten Fällen vollautomatisiert entschieden wird. Mit den Scorewerten wird eine Ratingstufe übermittelt. Die Abbildung macht deutlich, dass nur in den oberen Stufen eine Kreditzusage wahrscheinlich ist.

Ein Großteil der Bevölkerung wird allerdings in den kreditwürdigen Ratingstufen eingruppiert und ist auch nicht durch Negativmerkmale belastet. Laut den Angaben der SCHUFA im jährlich publizierten „Kreditkompass“ lagen im Jahr 2014 zu 90,8% der ca. 65 Millionen Personen im Bestand ausschließlich Positivmerkmale vor.

Im Rahmen einer Selbstauskunft können Verbraucher die in den zurückliegenden zwölf Monaten an Banken übermittelten Scorewerte nachvollziehen. Selbstauskünfte sind gemäß § 34 BDSG kostenlos.

Die SCHUFA berechnet neben an ihre eigenen Vertragspartner gerichteten Branchenscores auch einen so bezeichneten „Basisscore“, der ebenfalls im Rahmen der Selbstauskunft übermittelt wird und auch Bestandteil der kostenpflichtigen Bonitätsprodukte der Auskunftei ist.

Der Basisscore wird allerdings nur vierteljährlich berechnet und kann nach Darstellung der SCHUFA „durchaus“ vom Branchenscore abweichen. Eine Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums zufolge sind Scorewerte von 97-99% beim Basisscore als durchschnittlich anzusehen. Die Bedeutung für Kreditvergleiche ist deshalb überschaubar, weil kein direkter Zusammenhang zwischen dem Wert des Basisscores und den Konditionen eines Darlehens besteht.

Für die Branchenscores gilt das nicht: Die Bonitätseinstufung kann erstens über Zusage oder Ablehnung entscheiden und zweitens innerhalb eines akzeptierten Rating-Bereiches direkte Auswirkungen auf die Konditionen haben: Je höher die SCHUFA das Kreditausfallrisiko einstuft, desto höher setzen viele Banken auch den Zinssatz an.

Ein Zinssatz für alle Kreditnehmer - wie fair ist diese Praxis wirklich?

Ein erheblicher Teil der Ratenkredite auf dem deutschen Markt wird mittlerweile mit einheitlichen Zinssätzen beworben. Nicht zuletzt die wohlwollende Darstellung dieser Preispolitik durch Verbraucherschutzorganisationen hat dazu beigetragen, dass einheitliche Zinssätze als besonders fair und transparent wahrgenommen werden. Es gibt gute Gründe, das zu bestreiten.

Wie im vorangegangenen Abschnitt erläutert, stellt die SCHUFA sehr detaillierte und in kleinsten Schritten abgestufte Bonitätseinstufungen zur Verfügung. Banken können diese Informationen vollautomatisch und sogar ohne Intervention eines Mitarbeiters einholen. Der Aufwand dieses Teiles der Bonitätsprüfung ist somit überschaubar.

Wenn sich das Risiko eines im Raum stehenden Kreditvertrages zu niedrigen Kosten sehr detailliert zuordnen lässt – warum sollte eine Bank dann einen pauschalen Zinssatz für alle Kunden ganz unabhängig von deren persönlichem Risikoprofil ansetzen?

Ein pauschaler Zinssatz übervorteilt Kunden mit sehr guter Bonität und schließt Interessenten mit unterdurchschnittlicher Bonität aus. Kein Unternehmen verkauft ein Produkt, wenn dessen Kosten über den erwarteten Umsätzen liegen. Deshalb wird keine Bank (außerhalb einzelner Marketing-Aktionen) einen Kredit auszahlen, dessen Zinssatz die Risikovorsorge nicht abdeckt.

Ein einheitlicher Zinssatz führt deshalb nur in Einzelfällen zu einem fairen Ergebnis: Ein Teil der Kunden zahlt mehr als nötig, ein Teil erhält – jedenfalls im ersten Anlauf – keinen Kredit.

Mitunter steht zu vermuten, dass Einheitszinssätze die neue Lockvogeltaktik darstellen: Werblich wird ein zumeist recht niedriger Zinssatz „für alle“ versprochen, den aber nur ein geringer Teil der Kunden tatsächlich erhält. Die anderen erhalten zusammen mit der Ablehnung ihres Gesuchs fernab der prominenten Vergleichsranglisten ein weiteres Angebot mit einem höheren Zins.

Internet, Filiale, Point of Sale: Vorteile und Nachteile der drei Zugangswege

Kredite können online, in einer Filiale oder direkt am „Point of Sale“, also z. B. einem Autohaus oder im Elektronikmarkt, abgeschlossen werden.

Der Anteil der via Internet abgeschlossenen Darlehensverträge wächst seit Jahren konstant und wird irgendwann das Filialgeschäft überholt haben. Vom Gang in eine Filiale erhoffen sich viele Verbraucher jedoch noch immer eine bessere Beratung. Das ist möglicherweise ein Trugschluss.

Im Mai 2012 untersuchte die Stiftung Warentest die Kreditberatung von zwölf Filialbanken und fünf Direktbanken. Das aus Sicht der stationären Institute verheerende Urteil:

Die Finanztest-Experten waren bestürzt, wie schlecht ihre Tester von den Banken beraten wurden. Für die Untersuchung haben 23 kreditwürdige Männer und Frauen bei zwölf Banken jeweils fünf Gespräche geführt. Sie sollten testen, wie sie beraten werden, wenn sie ein Angebot für einen Kredit über 4 000 Euro haben wollen. Keine der getesteten Filialbanken erfüllte die Aufgabe.

Die Beratungsleistung war nach Ansicht der Verbraucherschützer häufig lückenhaft. Zudem schlüsselten einige Berater die Konditionenanfrage bei der SCHUFA fälschlicherweise als Kreditanfrage, was im schlimmsten Fall zu einer Verschlechterung der Bonität führt. Bei einer Konditionenanfrage werden Scorewerte übermittelt, ohne dass die Übermittlung Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit hat.

Der Abschluss von Kreditverträgen direkt am Point of Sale gewinnt laut einer Studie des Bankenfachverbands ebenso wie nach den Angaben des SCHUFA-Kreditkompass an Bedeutung. Ein Grund dafür dürfte die unkomplizierte Verfügbarkeit der Ratenzahlungen im Handel sein, ein weiterer der gezielte Einsatz von vergünstigten Darlehen zur Absatzförderung.

Autohändler, Möbelhäuser und Elektronikmärkte werben gezielt mit „Nullprozentfinanzierungen“. Diese sind aber nicht zwingend ein gutes Geschäft, weil dadurch auf mögliche Rabatte verzichtet wird.

Ein simples Rechenbeispiel: Ein TV-Gerät mit einem ausgewiesenen Verkaufspreis von 5.000 € kann bei 0,00% Zinsen in 36 Monatsraten zu jeweils 138,89 € bezahlt werden. Alternativ dazu ist die Finanzierung über einen regulären Bankkredit möglich. Bei einem Effektivzins von 4,19% reicht ein nur für Barzahler erhältlicher Zusatzrabatt in Höhe von 6% aus, um den Vorteil der Zinssubvention zu neutralisieren.

Vergleichsportale und Schaufensterzinsen

Vergleichsportale haben die Transparenz auf dem deutschen Kreditmarkt (und auch in vielen anderen Produktbereichen) deutlich verbessert. Verbraucher können mit dem Besuch eines einzigen Portals die Angebote dutzender Banken vergleichen und geeignete Kredite mit wenigen Klicks abschließen.

Doch das Konzept der Portale weist fast immer dieselben Schwächen auf, die den Kreditvergleich mittels Vergleichsrangliste für viele Interessentengruppen erschweren.

Vergleichsportale sind darauf angewiesen, den Löwenanteil ihrer potenziellen Kunden schon beim ersten Eindruck mit günstigen Konditionen zu überzeugen – ansonsten sucht der scheue Internetnutzer rasch bei der Konkurrenz weiter. Gleichzeitig müssen die Portale Einnahmen erzielen und Quoten erfüllen, woraus ein potenzieller Interessenkonflikt erwächst.

In der Praxis sind die meisten großen Portale dazu übergegangen, intensiv Sonderaktionen mit einzelnen Banken zu bewerben. Quersubventionierte Zinssätze werden zu diesem Zweck besonders prominent platziert und sollen den Nutzer von seinem eigentlichen Anliegen  - dem Kreditvergleich – ablenken. Die intensiv beworbenen Sonderkonditionen gelten häufig nur für einige tausend Euro und kurze Laufzeiten und eignen sich  damit nur im Einzelfall.

Vergleichsrechner und ihre Schwächen

Vergleichsrechner haben sich längst und nicht nur im Zusammenhang mit Kreditvergleichen etabliert. Unstrittig haben die Tools einen konkreten Nutzen: Nutzer ersparen sich den Zeitaufwand für die Recherche der Details zu den betrachteten Angeboten, werden auf ihnen noch unbekannte Anbieter aufmerksam und können auf Wunsch mehrere Szenarien von Laufzeit und Kreditbetrag berechnen lassen.

Eine allzu unkritische Nutzung der Rechentools ist aber nicht empfehlenswert: Vergleichsrechner sind nicht zwingend neutral und objektiv.

Vergleichsportale neigen dazu, die Sortierfunktion ihrer Rechner im Sinne der Anbieter zu gestalten, mit denen besonders umfangreiche Kooperationen bestehen bzw. die die höchsten Provisionen bezahlen.

Dagegen ist nichts einzuwenden, solange Nutzern bewusst ist, dass Vergleichsrechner keine karitative Einrichtung sind und dass sich die Ergebnisse im Vergleich mit einigen simplen Maßnahmen im Sinne der Betreiber gestalten lassen – und zwar ganz legal und bei entsprechender Kenntnis auch nachvollziehbar.

Gestaltungen dieser Art betreffen üblicherweise die Standardeinstellungen der Rechentoos, die von der überwältigenden Mehrheit der Nutzer ohne Anpassungen übernommen wird.

  • Möglichkeit I: Die Kreditangebote werden nicht anhand des Effektivzinssatzes, sondern anhand der Monatsrate aufgelistet, in die bereits eine Restschuldversicherung eingerechnet wurde.

  • Möglichkeit II: Die Sortierung erfolgt anhand einer „Annahmequote“, deren Berechnung letztlich auf nicht nachprüfbaren Daten beruht.

  • Möglichkeit III: Gelistet wird anhand der Ergebnisse von Kundenbewertungen oder Bewertungsplattformen.

  • Möglichkeit IV: Kredite mit bonitätsabhängiger Verzinsung werden je nach Intention mit 2/3-Zinssätzen oder den niedrigsten möglichen Zinssätzen angegeben.

  • Möglichkeit V: Vergleichbar mit den Ergebnissen von Suchmaschinen werden ganz oben Angebote aufgeführt, die mit dem Ergebnis des Rechentools gar nichts zu tun haben, optisch aber nur schwer davon zu unterscheiden sind.

Die mit Schwächen behaftete Sortierung in den Standardeinstellungen der Vergleichsrechner hat nicht nur mit den Verträgen zwischen Vergleichsportal und Banken zu tun, sondern auch mit dem durchschnittlichen Nutzerprofil einer Plattform: Die gut sichtbaren Angebote müssen zum Zwecke einer hohen Abschlussquote den Löwenanteil der Zielgruppe direkt ansprechen.

Das führt im Kreditgeschäft zwangsläufig dazu, dass z. B. Selbständige, Senioren und Antragsteller mit hohen Unterhaltsverpflichtungen/niedrigem Einkommen nicht genügend berücksichtigt werden. Diese Zielgruppen erhalten häufig gar keinen Kredit bei den im vorderen Bereich der Rechenergebnisse gelisteten Anbietern.

Besonderheiten im Kreditvergleich bei Umschuldungen

Zu den häufigsten Anlässen der privaten Kreditaufnahme in Deutschland zählen Umschuldungen: Spätestens seit dem Rückgang des Zinsniveaus erhoffen sich viele Kreditnehmer davon Einsparungen und Entlastung bei Zinsen und Kapitaldienst. Dient ein Kredit zur Ablöse eines anderen Darlehens, erschwert dies den Vergleich in einem Punkt.

Die Annahme eines Kreditantrags durch eine Bank und/oder die Festlegung des Zinssatzes richten sich auch nach den bereits bestehenden Verbindlichkeiten eines Antragstellers: Je geringer diese ausfallen, desto besser.

Prinzipiell könnte ein neuer Kredit beantragt und nach der Auszahlung zur Ablöse eines alten Darlehens verwendet werden. Darauf lassen sich Banken aber nicht ein, wenn die Summe aus beiden Krediten die Annahmekriterien verletzt.

Echte Umschuldungskredite sind deshalb mit einer Ablösevollmacht verbunden: Die neue Bank kündigt den bestehenden Kredit bei der alten Bank, fordert die Berechnung des Ablösesaldos inklusive Vorfälligkeitsentschädigung an und gleicht den offenen Kreditbetrag direkt zugunsten des Darlehenskontos aus.

Kreditvergleiche können bei einer beabsichtigten Umschuldung unter verschiedenen Prämissen gestartet werden: Mit einer Umschuldung kann die Restlaufzeit verkürzt, die monatliche Rate reduziert oder eine zusätzliche Auszahlung bei konstanter Rate und Laufzeit generiert werden.

Besonderheiten im Kreditvergleich für Senioren, Selbständige und Studenten

Verschiedene Interessentengruppen müssen damit rechnen, die Annahmekriterien vieler Banken nicht zu erfüllen. Senioren ab ca. 60 Jahren, Selbständige, Studenten und alle Verbraucher mit einer nicht gänzlich unvorbelasteten Zahlungshistorie sollten im Kreditvergleich primär auf die Zugangsvoraussetzungen achten und erst im zweiten Schritt die Zinskonditionen berücksichtigen.

Im Umgang mit nicht mehr ganz jungen Kreditnehmern zeigen sich große Unterschiede bei den Annahmekriterien: Einige Banken lehnen Antragsteller bereits bei der Vollendung des 58. Lebensjahres ab, andere genehmigen Kredite bei ausreichender Rentenhöhe, solange die letzte Rate bis zum 75. Lebensjahr getilgt ist. Einzelne Institute vergeben auch an Kunden jenseits der 75 noch Ratenkredite ohne Sicherheiten.

Selbständige fallen bei einem erheblichen Teil der Banken in Deutschland kategorisch durchs Raster. Banken scheuen den höheren Bearbeitungsaufwand ebenso wie das statistisch gesehen höhere Ausfallrisiko. Einige Banken vergeben Kredite weder an Freiberufler noch an Gewerbetreibende, andere schließen lediglich letztere aus.

Selbständige müssen Jahresabschlüsse/EÜR-Rechnungen, Steuerbescheide und betriebswirtschaftliche Auswertungen als Gehaltsnachweis einreichen und sollten ein persönliches Nettoeinkommen nicht unter 2.000 € vorweisen können.

Studenten erhalten bei den meisten Banken auch mit einem Nebenjob als Werkstudent keinen Kredit. Zwar setzen einige Banken das Mindesteinkommen im Bereich von 600-900 €  an, setzen dann aber entweder ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis voraus oder zählen Werkstudententätigkeiten nicht als vollwertige Beschäftigung.

Verbraucher mit offenen Negativmerkmalen bei SCHUFA und Co. müssen fast immer mit einer Ablehnung rechnen  - allenfalls Kredite ohne SCHUFA von Banken aus der Schweiz, Liechtenstein und in Einzelfällen auch Darlehen von Peer-to-Peer-Plattformen können realistisch sein, wenn keine größeren Kreditbeträge benötigt und höhere Zinsen in Kauf genommen werden.

Mit erledigten Negativmerkmalen besteht dagegen durchaus eine reelle Chance – allerdings nur bei einzelnen Banken und nur, wenn die sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind.

Umtauschrecht und Co.: Wie nützlich sind Zusatzleistungen?

Kredite unterscheiden sich in ihren Produkteigenschaften weniger stark (von der Konkurrenz), als es aus Sicht der Marketingstrategen der Banken wünschenswert wäre. Die Lösung für einen höheren „Wiedererkennungswert“ besteht häufig in Zusatzleistungen. Zur Auswahl stehen etwa verlängertes Rückgaberechte, Bestpreis-Garantien, Fairness-Versprechen, Gütesiegel usw.

Zusatzleistungen dieser Art bieten nur selten einen greifbaren Mehrwert.

Sieht eine „Bestpreis-Garantie“ etwa vor, dass Kreditnehmer ihr Darlehen bei einem günstigeren Angebot der Konkurrenz innerhalb von zwei Wochen nach der Kreditaufnahme kostenlos stornieren und vom Vertrag zurücktreten können, schmückt sich eine Bank letztlich mit den Lorbeeren des gesetzlichen Widerrufsrechts. Der Kreditvergleich sollte durch „harte“ Produktmerkmale bestimmt werden.

Fazit und Zusammenfassung: So gelingt der Kreditvergleich

Ein umfassender Kreditvergleich lohnt sich auch in der Niedrigzinsphase, die für einen wesentlichen Teil des deutschen Kreditmarktes ohnehin nur eingeschränkt besteht. Die Spanne der Zinssätze am Markt ist groß genug, um den beherrschbaren Aufwand eines Vergleichs zu einem guten Geschäft zu machen.

  • „Harte“ Vergleichsmerkmale sind Effektivzinssatz, Konditionen für Sonderzahlungen, vertragliche Flexibilität und die Annahmekriterien

  • Vertrauen Sie nicht blind auf die Ergebnisse von Vergleichsrechnern – diese haben häufig „Schlagseite“ im Sinne der Betreiber; von außen ist letztlich nicht erkennbar, wo die Prioritäten eines Vergleichsportals liegen

  • Fallen Sie nicht auf „Schaufensterzinsen“ herein – der 2/3-Zinssatz ist mittlerweile oft verlässlicher als vermeintlich faire Einheitszinssätze, bei denen auf die Ablehnung ein zweites Angebot mit höherem Zins folgt

  • Als Senior, Geringverdiener, Selbständiger oder bei negativen SCHUFA-Einträgen sollten die Annahmekriterien jedem Vergleich vorangehen