Kredit am gleichen Tag: Wie Videoident die Branche verändert

Um 12:00 Uhr einen Kredit beantragen und um 14:00 den Geldeingang auf dem eigenen Konto feststellen: Die Kombination aus Videoident, Dokumentenupload und Expressüberweisung könnte in einigen Jahren Standard im Kreditgeschäft sein.

Welche Banken bieten Videoident an? Wie funktioniert diese neue Technologie? Wer könnten die Gewinner und Verlierer der neuen Beschleunigung sein? Diesen Fragen wollen wir auf den Grund gehen.

Welche Banken bieten Kredite mit Videoident an?

Obwohl das Verfahren relativ neu ist, bieten bereits zahlreiche Banken die Prüfung der Identität mittels Videoident-Verfahren an. Bei sehr vielen Instituten wird der Einsatz zunächst außerhalb des Kreditgeschäftes, etwa bei der Eröffnung von Zahlungsverkehrskonten, geprobt, da offenbar das Missbrauchsrisiko im Zusammenhang mit Krediten am größten eingeschätzt wird.

Die Befürchtungen scheinen sich aber nicht bestätigt zu haben. In den vergangenen Monaten haben laufend neue Banken angekündigt, Kredite auch mit Videoident zu bearbeiten.

Für Banken die Kredite mit Legitimationsprüfung per Videotelefonie anbieten haben wir einen Vergleich mit tagesaktuellen Zinsdaten angelegt. Sie finden diesen auf folgender Unterseite: Zum Vergleich “Kredite mit Videoident”

Wie funktioniert Videoident?

  1. Zwischen einem Mitarbeiter und dem Antragsteller wird eine Verbindung mittels Videotelefonie (zum Beispiel per Skype oder einer speziellen App) aufgebaut.

  2. Der Mitarbeiter prüft die Identität des Antragstellers anhand des Personalausweises.

  3. Im Anschluss daran wird dem Antragsteller eine Transaktionsnummer zugesendet, durch deren Eingabe der Vorgang abgeschlossen wird.

Manche Banken führen das Videoident-Verfahren selbst durch, andere bedienen sich dazu externer Dienstleister wie zum Beispiel der WebId Solutions GmbH aus Berlin.

Eine Direktbank, die das Verfahren hausintern abwickelt, erklärt die zur Beweissicherung vorgenommenen Maßnahmen, mit denen sich Nutzer einverstanden erklären müssen:

Im Rahmen dieser Videoverbindung müssen für unsere Mitarbeiter zum Nachweis der ordnungsgemäßen Durchführung des Video den Verfahrens Screenshots bzw. Fotos von ihm nur der vollständigen Vorder- und Rückseite ihres Personalausweises bzw. der Vorderseite ihres Reisepasses angefertigt und gespeichert werden. Darüber hinaus werden wir auch das zwischen Ihnen und unserem Mitarbeiter parallel zur Videoübertragung geführte Gespräch aufzeichnen und speichern. Eine Aufzeichnung der Videobildübertragung findet nicht statt. Unser Mitarbeiter wird zu Beginn des Videoident-Verfahrens um ihr ausdrückliches Einverständnis zur Erstellung des Screenshots bzw. Fotos und zur Aufzeichnung des Gespräches bitten.

Im Rahmen des Gesprächs werden Antragsteller durch den Mitarbeiter aufgefordert, ihren Personalausweis bzw. Reisepass vor der Webcam in bestimmten Positionen zur Einsicht freizugeben. Außerdem muss die vollständige Seriennummer des Ausweisdokumentes vorgelesen werden.

Welche Vorteile bietet das Verfahren den Kunden?

Die nächstliegende Alternative zum Videoident Verfahren ist das Postident-Verfahren, das seit vielen Jahren auch im Kreditgeschäft eingesetzt wird. Dabei stellt die Bank per Post oder E-Mail einen Kupon zu, der zusammen mit einem amtlichen Lichtbildausweis in einer Filiale der Deutschen Post vorgelegt wird. Die Deutsche Post tritt dadurch als Zeuge für die Bestätigung der Identität des Antragstellers auf.

Das Videoident-Verfahren erspart Antragstellern den Gang zur Post. Darüber hinaus kann es den Antrag deutlich beschleunigen: Das Ergebnis des Postident-Verfahrens stellt die Deutsche Post Banken in der Regel erst am folgenden Werktag zu, so dass eine Verzögerung von bis zu 36  Stunden auftritt. Diese entfällt mit dem Videoident Verfahren völlig.

Vor allem in Kombination mit der elektronischen Übersendung von Dokumenten wie zum Beispiel Einkommensnachweisen kann die Kreditbearbeitung durch das neue Verfahren deutlich beschleunigt werden.

So kündigte zum Beispiel die Targobank im Dezember 2015 an, Kredite noch am selben Tag per Expressüberweisung auszuzahlen, wenn der vollständige Antrag inklusive Videoident und Dokumentenupload bis 13:00 Uhr erfolgt ist. Expressüberweisungen ermöglichen die Gutschrift des angewiesenen Betrages auf dem Empfängerkonto am selben Tag.

Wer sind die Verlierer des neuen Verfahrens?

Viele technische Innovationen bringen nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer hervor. Bislang lässt sich nicht sicher absehen, wer die Verlierer des neuen Verfahrens sein werden.

Auf den ersten Blick scheinen Filialbanken für Einbußen beim Marktanteil prädestiniert zu sein, weil die taggleiche Bearbeitung von Kreditanträgen bislang ein konkurrenzloses Verkaufsargument darstellte. Es ist allerdings fraglich, inwieweit die Kundschaft der Filialbank sich mit denen überschneidet, die von Beginn an aufgeschlossen gegenüber einer Legitimationsprüfung mittels Videotelefonie sind.

Auch die Anbieter von sogenannten Mikrokrediten könnten zu den Verlierern des Videoident-Verfahrens gehören. Diese ermöglichen bislang eine taggleiche Auszahlung von Kleinkrediten bis zu einigen hundert Euro.

Die Identität des Kreditnehmers wird durch diese Anbieter zum Beispiel durch das Einsenden einer Kopie des Personalausweises per E-Mail geprüft. Die Auszahlung erfolgt zum Beispiel per Expressüberweisung oder im Rahmen eines Kreditkartenverbundes.

Das Verkaufsargument einer taggleichen Auszahlung ist auch für diese Anbieter nun kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Auch hier ist es allerdings fraglich, in welchem Umfang die Kundschaft des Nischenmarktes tatsächlich auf das Videoident-Verfahren reagiert und konventionelle Banken als Alternative betrachtet.