Kreditwürdigkeit: Lässt sich der SCHUFA Score beeinflussen?

Kreditwürdigkeit: Lässt sich der SCHUFA Score beeinflussen?

Der SCHUFA-Score entscheidet maßgeblich über Kreditverträge und ihre Konditionen. Um die Zusammensetzung der Scorewerte und Möglichkeiten zur Einflussnahme halten sich viele Gerüchte.

Tatsächlich kann es Möglichkeiten geben, den eigenen SCHUFA Score zu verbessern.

Der Branchenscore entscheidet über Verträge

Zunächst muss der Branchenscore vom Basiscore unterschieden werden. Der Basisscore wird als Prozentsatz von 100 berechnet und im Abstand von drei Monaten aktualisiert. Verbraucher werden dabei Peer-Groups zugeordnet: Das sind Gruppen von Personen mit ähnlichen oder identischen Merkmalen.

Ein (durchschnittlicher) Basisscore von 98 Prozent gibt z. B. an, dass Personen mit diesen Merkmalskonstellationen ihren Verpflichtungen in 98 Prozent der Fälle nachkommen.

Der Basisscore sagt allerdings wenig über die tatsächliche Kreditwürdigkeit einer Person aus: Für ihre Vertragspartner (Banken, Handels- und Telekommunikationsunternehmen) berechnet die SCHUFA eigene Branchenscores mit Skalen von 0 bis 1000 Punkten.

Die Branchenscores bilden die Basis für Vertragsentscheidungen und können nach Angaben der SCHUFA durchaus vom Basisscore abweichen. Außerdem erfolgt eine ständige Aktualisierung.

Über die genaue Zusammensetzung ihrer Scorewerte darf die SCHUFA schweigen: Der BGH wies Anfang 2014 eine Klage auf Offenlegung ab. Die Auskunftei teilt auf ihrer Homepage mit:

Beim Scoring wird anhand von gesammelten Erfahrungen aus der Vergangenheit eine möglichst zuverlässige und objektive Prognose für die Zukunft erstellt. Dazu werden große Mengen an Informationen analysiert und statistisch ausgewertet.

SCHUFA Holding AG

Welche Merkmale beeinflussen den SCHUFA-Scorewert?

Viele Verbraucher interessieren sich für Möglichkeiten zur Einflussnahme auf den Scorewert. Das gilt vor allem für Verbraucher ohne Negativmerkmale, deren Existenz die Bonität ohnehin stark beeinträchtigt und alle auf automatisierten Standards basierenden Vertragsentscheidungen vorwegnimmt.

Die Wirkung einiger Merkmale ist durch diverse Studien und Beobachtungen im Laufe der Jahre bekannt geworden.

Ungünstig für den Scorwert sind demnach eine zu große Anzahl an Girokonten (ab etwa 3-4) und insbesondere deren häufiger Wechsel. Auch eine große Anzahl von Kreditkarten wirkt sich negativ aus – ganz besonders wenn es sich um Kreditkarten mit eigenständigem Kreditrahmen und Teilzahlungsoption handelt.

Sowohl für Girokonten als auch Kreditkarten gilt aber: Eine gewisse Anzahl von Verträgen sollte vorhanden sein – wer gar kein Konto besitzt ist statistisch betrachtet offenbar „verdächtig“ oder zumindest schwer einzuschätzen.

Gleiches gilt auch für Kredite: Pünktlich bediente Kreditverträge sind grundsätzlich ein positives Merkmal – ganz gleich ob die Verträge noch laufen oder in der Vergangenheit bedient wurden.

Im Hinblick von Auswirkungen von Kreditverträgen auf den SCHUFA-Score sind noch weitere Informationen bekannt. So führt offenbar insbesondere eine größere Anzahl kleinerer Kreditbeträge zu einer tendenziellen Verschlechterung. Das gilt auch für sehr lange Laufzeiten.

Betroffen sind dadurch Kreditnehmer, die die monatliche Rate möglichst gering halten möchten bzw. müssen. Diesen Umstand gilt es insbesondere bei Point-of-Sale-Finanzierungen im Handel zu berücksichtigen, wo nicht selten Kleinbeträge über mehrere Jahre finanziert werden.

Geo Scoring: Wohnort, Nachbarschaft und Bonität

Auskunfteien werden den Verdacht nicht los, das die Beurteilung der Kreditwürdigkeit einer Person auch von Merkmalen abhängt, die nichts mit dem Vertragsverhalten zu tun haben. Das so genannte „Geo Scoring“ führt immer wieder zu hitzigen Debatten: Auskunfteien ziehen „Informationen zum Wohnumfeld“ heran und begründen damit ihre Scorings.

So kann z. B. die Kreditwürdigkeit einer Person schlechter eingestuft werden, weil in der Nachbarschaft gehäuft Zahlungsausfälle auftreten. Viele Daten zum Geo Scoring beziehen Auskunfteien von Versicherungen. Laut SCHUFA etwa über „Lage, Art und Zustand der umliegenden Häuser, Typ und Anzahl der gefahrenen Autos“. KFZ- und Wohngebäudeversicherer erheben solche Daten laufend.

Die meisten Auskunfteien behaupten, Geo Scoring nur in Ausnahmefällen einzusetzen, etwa wenn ansonsten keinerlei Informationen zur Person vorliegen. Dass außer der Adresse gar keine Informationen vorliegen kommt vor allem bei Auskunfteien aus der zweiten Reihe vor. Die SCHUFA dagegen rühmt sich damit die einzige Auskunftei zu sein, die

aufgrund ihres einzigartigen Datenbestands standardmäßig mit personenbezogenen, kreditrelevanten Daten zur Bonitätsbewertung arbeiten kann.

SCHUFA Holding AG

Dennoch räumt das Wiesbadener Unternehmen ein, „auf individuellen Kundenwunsch“ Bonitätsbewertungen mit Berücksichtigung von Anschriftendaten anzubieten.

Negativmerkmale sind nicht immer in Stein gemeißelt

Liegen Negativmerkmale vor, spielen die Scorewerte keine Rolle mehr – sie sind dann entweder so schwach dass Vertragspartner ablehnen, oder werden – mit demselben Resultat – gar nicht übermittelt.

Zu Negativmerkmalen kommt es, wenn Kredite oder auch Girokonten wegen anhaltendem Zahlungsverzug durch die Bank gekündigt werden. Darüber hinaus speichert die SCHUFA auch Informationen aus öffentlichen Verzeichnissen, in denen z. B. Privatinsolvenzen oder Abgaben eidesstattlicher Versicherungen ersichtlich sind.

Negativmerkmale bleiben nach ihrer vollständigen Erledigung noch mindestens drei Jahre lang im Datenbestand der SCHUFA gespeichert und machen während dieser Zeit Kreditverträge (mit wenigen und bedingten Ausnahmen wie z. B. Krediten ohne SCHUFA) unmöglich.

In einigen Fällen ist mittlerweile jedoch eine Löschung von negativen SCHUFA-Einträgen vor Ablauf dieser Fristen möglich. Diese verkürzten Speicherfristen sind relativ neu und gelten nur für Forderungen, die der Auskunftei erstmals nach dem 01.07.2012 bekannt geworden und die nicht tituliert worden sind.

Eine sofortige Löschung ist möglich, wenn sich der Forderungsbetrag (der auch Schuldzinsen und Gebühren enthalten kann – entscheidend ist der durch den Vertragspartner gemeldete Betrag!) auf nicht mehr als 2.000,00 Euro beläuft und binnen sechs Wochen nach der Eintragung durch den Vertragspartner als erledigt gemeldet wird.

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