Von wegen fair und transparent: Kredite mit Einheitszinssatz werden zu Unrecht gelobt

Gibt eine Bank sich transparent und kundenfreundlich, verzichtet sie bei Krediten auf bonitätsabhängige Zinssätze.

Auch Verbraucherschutzorganisationen sind längst auf die Lehre vom gerechten Kreditzins hereingefallen: In Wahrheit sind einheitliche Zinssätze nur in Ausnahmefällen gerecht.

Kredite mit Einheitszins sind eine optische Täuschung

Gerecht ist ein Zinssatz, der zum Risiko passt - argumentieren Bankbetriebswirte. Besonders gerecht ist ein Zinssatz, der innerhalb vernünftiger Grenzen allen Kreditnehmern eine identische Kreditwürdigkeit unterstellt - argumentieren Verbraucherschützer.

Letztere verkennen jedoch, dass Unterschiede in der Bonität auch bei Einheitskalkulationen zum Einsatz kommen – nur mit einem anderen, keinesfalls gerechten Ergebnis.

Keine Versicherung der Welt würde ein Wohngebäude gegen Feuer-, Sturm- und Leitungswasserschäden versichern, ohne eine für das übernommene Risiko angemessene Prämie zu verlangen. Versicherungen bestimmen Risiken nach einem ausgefeilten, objektiven Kriterienkatalog.

Genauso verfahren Banken bei der Übernahme von Kreditausfallrisiken. Das Risiko wird durch Kreditwürdigkeitsprüfungen (interne und solche von Auskunfteien wie der SCHUFA) objektiv ermittelt. Keine Bank vergibt einen Kredit zu einem Zinssatz, der neben allen anderen Kosten nicht auch die Kosten des übernommenen Risikos abdeckt.

Setzt eine Bank die Zinssätze für Kredite „unabhängig“ von der individuellen Bonität fest, ermittelt sie einen unteren Grenzwert für die Bonität, die gerade noch vorhanden sein muss um einen Kredit kostendeckend auszahlen zu können. Alle Kreditnehmer, die ein Darlehen tatsächlich erhalten, weisen entweder diese „Grenzbonität“ oder eine bessere Bonität als diese auf.

Die meisten zahlen zu viel

Die Konsequenz: Alle Kreditnehmer mit einer Bonität unter der festgelegten Schwelle erhalten keinen Kredit, auch wenn dies mit einem höheren Zinssatz möglich wäre. Wo bonitätsunabhängige Zinssätze von 4-5 Prozent beworben werden muss ein ganz wesentlicher Teil der Bevölkerung mit einer Absage rechnen.

Gleichzeitig zahlen alle Kreditnehmer mit einer über der Schwelle liegenden Kreditwürdigkeit zu viel für den Kredit – die Kreditvergabe wäre auch zu einem niedrigeren Zinssatz möglich. Nur für Interessenten mit „Grenzbonität“ passen Zins und Kreditwürdigkeit zusammen.

Dass bonitätsunabhängige Zinssätze in der medialen Berichterstattung so gut dastehen ist wesentlich darauf zurückzuführen, dass solche Kreditangebote seit geraumer Zeit die vorderen Regionen der Zinsvergleichstabellen dominieren.

Die wenigsten Fachmagazine und Verbraucherschützer prüfen jedoch die Annahmequote dieser Angebote, die mitunter ausgesprochen niedrig ist. Banken verfahren nicht ohne Grund so.

Werden Einheitszinsen zum neuen Lockvogel?

In vielen Zinsvergleichen werden Kredite mit bonitätsunabhängiger Verzinsung bevorzugt berücksichtigt. Um weit oben zu stehen muss gleichzeitig ein niedriger Zinssatz angegeben werden.

Zu einem solchen Zinssatz lässt sich aufgrund der dargestellten Kalkulation jedoch nicht „jedem“ ein Kredit verschaffen – daraus resultiert die geringe Annahmequote -  jedenfalls jene im ersten Durchgang.

Denn Banken können Kunden nach einer Ablehnung ein weiteres Angebot mit einem höheren, an die individuellen Voraussetzungen angepassten  Zinssatz unterbreiten.

Machen Banken von dieser Möglichkeit Gebrauch entwickelt sich der vermeintlich transparente Einheitszinssatz zum neuen Lockvogelzins, den der Gesetzgeber mit der Verbraucherkreditrichtlinie recht umständlich und mit mittelmäßigem Erfolg eingedämmt hat.

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