Ausblick: Was bewegt den Kreditmarkt im Jahr 2016?

Das Jahr 2015 geht zur Neige. Grund genug, einen Blick auf das Kommende zu wagen: Was wird den deutschen Kreditmarkt 2016 bewegen?

Die entscheidenden Themen werden die Entwicklung des Zinsniveaus, die Fortsetzung des Bankensterbens und allmählich aufkeimende Kritik an einer intransparenten Preispolitik durch die Hintertür sein.

Zinsentwicklung im Jahr 2016: Wohin werden die Weichen gestellt?

Das niedrige Zinsniveau prägt den Kreditmarkt seit Jahren, auch wenn Konsumentenkredite von der Entwicklung weitaus weniger stark betroffen sind als Immobilienkredite, Geldmarktzinsen und der Anleihemarkt. Es spricht wenig dafür, dass die Zinsen im nächsten Jahr deutlich ansteigen. Dennoch wird 2016 ein spannendes Jahr für die weitere Zinsentwicklung.

Die jüngste Entscheidung der europäischen Zentralbank (EZB) hat zwar eine weitere Lockerung der Geldpolitik befürwortet, die Erwartungen vieler Marktteilnehmer aber enttäuscht. Nicht zuletzt der wachsende Druck innerhalb des EZB-Direktoriums durch Vertreter zum Beispiel aus Deutschland könnte die Notenbank bei weiteren Lockerungsmaßnahmen bremsen.

Deutlich mehr Druck als mahnende Worte aus Kerneuropa dürfte allerdings die bevorstehende Zinswende in den USA auf die EZB ausüben: Leitet Notenbankchefin Janet Yellen die Kehrtwende ein, müsste der Euro früher oder später deutlich unter Druck geraten. Bei Wechselkursen in Sichtweite der Parität würde die EZB damit ein beträchtliches Akzeptanzrisiko eingehen.

Möglicherweise hat die EZB genau deshalb den lange Zeit als solchen formulierten Hauptgrund für die lockere Geldpolitik nun als überwunden erklärt: Die Zentralbank sieht keine großen Deflationsrisiken mehr. „Endlich, die Inflation ist da!“, titelte das „Manager Magazin“ am 11.12.2015. Die Gefahr einer Abwärtsspirale bei den Preisen ist nach Einschätzung von EZB-Direktor Benoit Coeure abgewendet.

Das größte Risiko bei der Inflation ist nun vom Tisch: Das war die Gefahr einer Deflation

zitiert das Blatt aus höchsten Kreisen der EZB.

Beschleunigt sich das Bankensterben?

Das Bankensterben und die damit einhergehende sukzessive Verlagerung klassischer Bankgeschäfte ins Internet wird auch 2016 weitergehen. Die grundsätzliche Entwicklung ist keinesfalls neu, wie der Nachrichtensender n-tv im Sommer anlässlich einer Studie der KfW zusammenfasste:

Zur Jahrtausendwende hatte es noch 2.912 Kreditinstitute gegeben, 1990 sogar mehr als 4.700. Damit hat sich der Bestand in den vergangenen 25 Jahren sogar mehr als halbiert.

Für die Jahre 2015 und 2016 ist Branchenkennern zufolge mit einem Rückgang der Anzahl der Kreditinstitute um jeweils 1,5 % bis 3,0 % zu rechnen. Das gilt auch für die Anzahl der Filialen, die insbesondere im ländlichen Raum und in durch den demographischen Wandel besonders belasteten Regionen häufiger geschlossen werden.

Fraglich ist, wie sich die Entwicklung nach 2016 fortsetzt. Im nun ablaufenden Jahr mehrten sich Stimmen, die vor allem den Sparkassensektor mit erheblichen Problemen infolge der anhaltenden Niedrigzinsphase konfrontiert sahen.

Die Schmalenbach-Gesellschaft veröffentlichte im September im Rahmen einer Tagung ein umfangreiches Papier, in dem auch Aussagen und Prognosen zur Entwicklung der Sparkassen in der aktuellen Marktsituation zusammengefasst sind. Diese sind auf dem folgenden Bildschirmfoto nachzulesen:

[caption id=”attachment_528” align=”aligncenter” width=”2194”]"Den Sparkassen stehen magere Jahre bevor" “Den Sparkassen stehen magere Jahre bevor”[/caption]

Gerät der Mythos des „fairen Einheitszinssatzes“ ins Wanken?

Wir von Onlinekredit.com wagen eine weitere Prognose: Im Jahr 2016 wird die Kritik an der Preispolitik vieler Banken im Kreditgeschäft wachsen.

Insbesondere die Praxis der „zweiten Runde“ dürfte allmählich auch von Seiten der Verbraucherschützer unter die Lupe genommen werden: Dabei werben Banken mit niedrigen, vorgeblich bonitätsunabhängigen Einheitszinssätzen, und übermitteln Kreditnehmern mit dafür nicht hinreichende Bonität ein Ersatzangebot.

Übersteigt die Ablehnungsquote in der ersten Runde an gewisses Maß, führt dies das beworbene Prinzip eines einheitlichen Zinssatzes de facto ad absurdum. Verbraucherschützer stehen einheitlichen Zinssätzen bislang sehr wohlwollend gegenüber und scheinen sich davon eine vermeintlich faire Mischkalkulation zu erhoffen. Eine kritische Haltung gegenüber der Preispolitik der zweiten Runde wäre wünschenswert.

16. Dec 2015