Geldpolitik und Anleihemarkt: Wie geht es weiter?

Die EZB kündigt für März eine weitere Lockerung der Geldpolitik an, die italienische Bankenkrise lässt sich nicht länger bagatellisieren und die Kurse von Bundesanleihen gehen geradezu durch die Decke. Grund genug, die aktuelle Situation einzuschätzen – auch im Hinblick auf mögliche Konsequenzen für das deutsche Kreditgeschäft.

Das Wichtigste in Kürze:

Rendite von Staatsanleihen ist negativ

Zu den auffälligsten Entwicklungen am Anleihemarkt der vergangenen Wochen zählt die sehr heterogene Kursentwicklung zwischen Bundes- und Bankanleihen. Der BUND-Future-Terminkontrakt, dem eine hypothetische zehnjährige Bundeanleihe mit einem Zinskupon von 6 % zugrunde liegt, erreichte in der abgelaufenen Woche in Rekordhoch und ging am Freitagabend mit 163,40 Punkten aus dem Handel.

Die Marke von 160 Punkten wird an den Finanzmärkten viel beachtet, weil bei Kursen darüber zehnjährige Bundesanleihe zumindest theoretisch eine negative Rendite aufweisen. In der Praxis gilt diese Regel in dieser Strenge jedoch aus verschiedenen Gründen nicht. Dennoch macht die Kursentwicklung deutlich, dass die Renditen deutscher Staatsanleihen sich auf neuen Tiefständen befinden.

[caption id=”attachment_906” align=”aligncenter” width=”981”]Bildschirmfoto: Der BUND Future geht durch die Decke (Chart: OnVista.de) Der BUND Future geht durch die Decke (Chart: OnVista.de)[/caption]

Doch auch ein Blick auf die Entwicklung der Renditen von „echten“ Bundeswertpapieren belegt den abermals dramatischen Rückgang: Für positive Renditen müssen Käufer bei den aktuellen Kursen acht Jahre Laufzeit in Kauf nehmen. Die Rendite einer Bundesanleihe mit Fälligkeit im Februar 2017 beträgt -0,45 %. Bei fünf Jahren liegt sie mit -0,29 % ebenfalls weit im negativen Bereich.

Ein Blick auf die Entwicklung von Bankanleihen zeigt, dass die Märkte die Risiken von Staaten und Banken differenziert betrachten. Deutlich wird das anhand einer (nicht repräsentativen) Auswahl aus Titeln des FAZ-Anleiheindexes. Die Kursentwicklung zeigt hier seit Monaten in eine andere Richtung als bei Staatsanleihen.

Bildschirmfoto FAZ-Anleiheindex: Banken stehen unter Druck

Ein Grund dafür ist die Sorge vor neuerlichen Krisen im Bankensektor. Risiken im Zusammenhang mit „faulen“ Krediten – also Krediten, die über einen längeren Zeitraum nicht bedient wurden und deshalb zu einem großen Teil abgeschrieben werden müssen – sind insbesondere im italienischen Bankensektor in größerem Umfang vorhanden.

Noch kurz vor dem Jahreswechsel hatte der italienische Ministerpräsident zwar behauptet, italienische Banken seien solider als ihre deutschen Konkurrenten. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch einigte sich die Regierung Renzi jedoch mit der EU-Kommission auf die Einrichtung einer Bad Bank.

Italien gründet Bad Bank

In die Bad Bank werden ausfallgefährdete Kredite übertragen, die offenbar vornehmlich in den vergangenen Jahren angelaufen sind. Es geht um eine Größenordnung von ca. 350 Mrd. €, von den 200 Mrd. € bereits weitgehend abgeschrieben wurden und weitere 150 Mrd. € als extrem riskant eingestuft werden.

Gegenstand der Verhandlungen mit Brüssel waren allerdings keine Hilfen aus dem ESM oder anderen Rettungsmechanismen, sondern Unterstützung durch den italienischen Staat.

Neben der Einrichtung einer Bad Bank sollen auch staatliche Garantien für Banken die heraufziehende Krise im italienischen Bankensektor bewältigen. Die EU-Wettbewerbskommission hat nach eigener Darstellung durchgesetzt, dass die Institute diese zu Marktpreisen erwerben müssen. Mit den Maßnahmen wird ein wesentlicher Teil der Ausfallrisiken auf die öffentliche Hand übertragen.

Die italienische Regierung hatte vor einigen Monaten mehrere kleinere Banken gestützt, dabei aber vornehmlich Anleihegläubiger und Sparer in die Pflicht genommen. Aus italienischen Bankenkreisen wurde zuletzt häufiger Kritik an der EZB und an der EU-Kommission laut: So hätten die langen Verhandlungen über die Bad Bank und die Überprüfungen der EZB zu Unsicherheit geführt. In Italien wird die Krise nicht als Problem der großen Banken betrachtet. Auch deren Anleihe- und Aktienkurse waren in den vergangenen Monaten aber deutlich gefallen.

Brüssel und Rom erhoffen sich von der Bad Bank und der geplanten Veräußerung ausfallgefährdeter Kredite an Investoren durch Staatsgarantien eine verstärkte Kreditvergabe und ein Ende der Rezession.

Die italienische Wirtschaft durchläuft bereits seit vielen Jahren eine ausgeprägte Schwächephase und ist gemessen an makroökonomischen Größen wie BIP pro Kopf, Arbeitsproduktivität und Arbeitskosten deutlich hinter den Eurozonen-Durchschnitts zurückgefallen.

EZB deutet Lockerung der Geldpolitik an

Für Aufsehen sorgte jüngst auch EZB-Präsident Mario Draghi: Die Zentralbank werde die Geldpolitik im März „überprüfen und möglicherweise anpassen“. So hätten sich die Abwärtsrisiken für die Konjunktur seit Jahresbeginn vergrößert, die Umstände seit Dezember gar „grundlegend“ geändert.

Während die US-Notenbank bislang an ihrem zaghaft eingeleiteten Ausstieg aus der Politik des billigen Gelds festhält, kündigt die EZB damit eine weitere Lockerung an. Allein ist Mario Draghi mit dieser Strategie nicht: Am Freitag beschloss die Bank of Japan die Einführung eines Negativzinssatzes für Banken, wie er in der Eurozone bereits Realität ist.

Kritiker der EZB-Politik verweisen allerdings immer wieder ausgerechnet auf Japan, dessen seit Jahrzehnten lockere Geldpolitik die erhofften ökonomischen Wirkungen nicht entfalten konnte. Ohnehin ist fraglich, welche Maßnahmen der EZB noch bleiben, da der Strafzins für Bankeinlagen bei der Zentralbank bereits erhöht, der Leitzins längst auf praktisch null Prozent abgesenkt und das Anleihekaufprogramm verlängert wurde.

Was bedeuten die Entwicklungen für Ratenkredite?

Bad Bank in Italien und geldpolitische Lockerungen in Europa sowie Japan haben eines gemeinsam: Mit den Maßnahmen wird das Ziel einer stärkeren Kreditvergabe verfolgt. Der geradezu dramatische Anstieg des BUND Future und die bis zu einer Laufzeit von acht Jahren negativen Renditen von Bundesanleihen können bei gleichzeitig steigenden Risikozuschlägen für Bankanleihen aber ein Indiz dafür sein, dass alle Maßnahmen ins Leere laufen.

Die Marktteilnehmer scheuen ebenso wie Banken im Kreditgeschäft zunehmend Risiken. Die Institute investieren Geld lieber zu negativen Renditen in Staatsanleihen oder parken es zu einem geringen Strafzins bei der EZB, als Kredite zu vergeben. Ratenkredite werden also auf breiter Front in den kommenden Monaten nicht mehr deutlich günstiger werden.

Für Kreditnehmer mit unterdurchschnittlicher Bonität bedeutet dies, dass mit einer signifikanten Lockerung der Annahmekriterien nicht zu rechnen ist: in diesem Segment sind Kredite unverändert nur bei relativ wenigen Banken und gegen hohe Risikozuschläge möglich.

Für Kreditnehmer mit guter Bonität bleibt die Situation komfortabel: Kredite bleiben in diesem Segment auf absehbare Zeit günstig.

4. Feb 2016